Dieses Jahr gab es für meinen Mann und mich eine seltene Gelegenheit: Es war Valentinstag, Samstag, und wir hatten beide keine Termine an diesem Wochenende. Also warf ich einen Blick auf meine Restaurant-Wunschliste und entschied mich für das Mary Jane Space in Heidelberg. Glücklicherweise ist direkt im Gebäude nebenan ein Hotel, sodass wir entspannt den Abend samt Weinbegleitung genießen konnten.
Nach dem Check-in machten wir uns auf den kurzen Fußweg zum Restaurant. Als wir vor der Tür standen, sagte mein Mann „Bist du sicher? Sind wir hier richtig?“ Auf den ersten Blick erkennt man hier kein Restaurant. Lediglich eine Klingel mit dem Restaurant Logo. Kurzzeitig fragt man sich, ob man beim Lieferanteneingang gelandet ist.

Ich mag diese ‚Hidden Spaces‘ sehr gerne. Hier wird nicht auf Laufpublikum gesetzt. Man muss zum ‚wissenden‘ Kreis gehören und vorab reservieren. Nachdem ich geklingelt hatte und wir hereingelassen wurden, konnte ich meinen Mann dann auch überzeugen, dass wir hier tatsächlich richtig sind.
Nach einer kurzen Fahrstuhlfahrt wird man im Dachgeschoss gleich herzlich empfangen. Der gesamte Gastraum ist in dunklen Farben gehalten, was direkt eine gemütliche, schummrige Atmosphäre erzeugt.

Am Platz angekommen wurden wir direkt herzlich begrüßt und mit Wasser und einem Aperitif empfangen. Kurze Zeit später begrüßte uns auch Küchenchef Jonas Jenz persönlich und brachte ein Amouse Bouche Trio mit an den Tisch.

Kulinarisch begann der Abend mit einem Macaron mit Kürbis, Curry und Bergamotte. Dazu gab es einen Taco mit Petersilienwurzel und Mirabelle und einen Tapioca-Chip mit süß-sauer eingelegtem Fenchel. Ein sehr gelungener und abwechslungsreicher Einstieg in den Abend. Neben dem Trio gab es Brot, zusammen mit einer Honig-Knoblauch-Chili Butter.

Bevor es mit dem ersten Gang weiter ging, begann nun auch unsere Weinbegleitung. Hier bietet das Mary Jane einen spannenden Ansatz: Der Wein kommt verhüllt mit einem Fragezeichen an den Tisch. Abgesehen von einer kurzen Erklärung weshalb dieses Pairing gewählt wurde, kommt die Auflösung erst zum nächsten Gang. Eine tolle Idee, die dazu einlädt, sich intensiver mit dem Wein auseinanderzusetzen und selbst zu raten, um welche Weinsorte aus welchem Gebiet es sich handeln könnte.

Nachdem wir mit dem ersten Wein versorgt waren, wurde der erste Gang serviert, Jonas Jenz erklärt hierzu, dass er gerne mit Gegensätzen arbeitet. Für diesen Gang gab es daher zu Roter Bete fermentierte Brombeere. Abgerundet wurde diese Kombination mit Estragon und durch ein Dashi mit gerösteter Schae der Roten Bete, fermentiertem Beerensaft und Kombu-Alge. Eine tolle Kombination, bei der sich die verschiedenen Geschmacksrichtungen perfekt ergänzen.

Weiter ging es mit Saibling, geröstetem Brokkoli, brauner Butter, Miso und über Kirschholz geräuchertem Apfel. Ab hier kann man langsam das Thema erkennen: In den herzhaften Gängen wird immer auch Obst verwendet, was zu spannenden und ungewohnten Geschmackskombinationen führt.

Der nächste Gang ist einfach zu beschreiben: Garnele, Grapefruit und Lauch. Letzteres beides gab es jeweils in zwei Versionen auf dem Teller. Auch hier wieder eine gelungene Kombination.

Danach gab es einen kleinen Ausflug vom Fine Dining zum Comfort-Food-Gefühl: Trüffel Mac’n’Cheese. Ein simpel wirkender Gang, der von perfekt gegarter Pasta und Trüffel-Aroma getragen wird.

Anschließend ging es mit meiner Lieblingskombination des Abends weiter: Schwarzwurzel, Ananas und Cashew. Die Aromen funktionieren einfach zusammen und man fragt sich, warum es diese Kombination nicht öfter gibt.

Abschließend ging es mit dem Hauptgang weiter. Hier gab es Rinderrücken vom Black Angus Rind, Topinambur, Haselnuss und Quitte, An diesem Punkt hat dann auch die Weinbegleitung scheinbar ausreichend gewirkt und ich habe das Foto verbockt… Dank KI Unterstützung habe ich trotzdem ein präsentierfähiges Foto für euch, um euch den Eindruck zu vermitteln.


Zum Abschluss des Menüs gab es zwei verschiedene Kombinationen von Radicchio und weißer Schokolade. Nachdem es nun in allen herzhaften Gängen ein Obst-Element gab, ist nur konsequent und passend, ein Gemüse-Element beim Dessert einzubauen. Die bittere Note vom Radicchio ist hierbei ein guter und passender Kontrast zur weißen Schokolade.

Zum Abschluss des Abends gab es nochmal einen Überblick über die Weinbegleitung. Alles in Allem waren die Weine alle sehr gut auf die Gänge abgestimmt. Ich habe für mich jedoch wieder einmal festgestellt, dass eine volle Weinbegleitung einfach zu viel für mich ist. Vielleicht habe ich einfach nicht die ausreichende Körpergröße, auf die sich er Alkohol verteilen kann. Daher werde ich das nächste Mal wieder nach einer reduzierten Begleitung fragen.
Nach einem gelungenen Abend spazierten wir noch eine Runde um den Block, bevor wir zufrieden nebenan im Hotel ins Bett fielen. Vielen Dank an Mary Jane Space für einen wunderschönen und entspannten Abend!

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