Für alle, die nicht lange Lesen wollen:
Meine kulinarischen Highlights
- Rund um Montepulciano: Fattoria San Martino, Campa Cavallo Lab
- Rund um Montalcino: Maccari Pura Crocus
- Zwischen Florenz und Montepulciano: Cucina Donnaluisa im Il Verreno
- Auf der Hin-/Rückreise: Chapter Two (Vaduz), Gelato bei Delizie Bolognesi (Bologna)
Empfehlungen von vorherigen Italien Reisen:
- Gegend um Bologna: Locanda Pincelli
- Gegend um Ravenna: Clarice Ristorante, Favilla Ristorante
- Gegend um Massa: Tre Terazze
- In Pisa: Chilometro Toscano (Danke an Julian für den Tipp 🙂)
>>Alle diese Empfehlungen findet ihr auch auf meiner Kulinarischen Karte.<<
Nun aber zum ausführlichen Bericht:
Bereits zum dritten Mal zog es uns dieses Jahr in die Toskana. Auch diesmal wieder für eine Mischung aus Workation und Urlaub. Denn selbst der ätzendste Arbeitstag wirkt gleich weniger schlimm, wenn nach Feierabend gutes italienisches Essen und ein Glas Wein warten.
In den vergangenen Jahren verbrachten wir unseren Workation-Teil weiter nördlich – einmal an der Westküste in Massa und einmal an der Ostküste in Ravenna. Diesmal ging es direkt in die Toskana. In Montepulciano hatten wir nur wenige Meter von der Altstadt entfernt ein Apartment gemietet, das alles Wichtige für eine Workation mitbringt – gutes Internet, einen Parkplatz, sowie Supermarkt, Bäcker und gute Restaurants direkt um die Ecke.
Anreise & erster Stopp: Bologna
Wie bereits in den letzten Jahren fuhren wir über das Osterwochenende mit einer Nacht Zwischenstopp nach Italien. Am zweiten Tag der Anreise legten wir einen kurzen Stopp in Bologna ein. Trotz der kurzen Zeit kam der Foodie in mir auf seine Kosten. Zunächst entdeckten wir auf dem Weg zur Altstadt zufällig eine tolle – und wie sich herausstellte mit Preisen ausgezeichnete – Gelateria. ‚Delizie Bolognesi‚ hatte viele spannende Sorten im Angebot. Ich entschied mich für Santiago und Nettuno. Mein Highlight war der Pistazien-Krokant, der frisch hinzugefügt wurde. Insgesamt wahrscheinlich das beste Gelato, das wir bisher in Italien gegessen haben.



Im Anschluss spazierten wir zum Piazza Maggiore und schlenderten von dort, ebenfalls durch Zufall, durch die Via Pescherie Vecchie. Eine kleine Gasse, in der sich alles ums gute Essen dreht. Kleine Bottegas mit Sitzplätzen in den Gassen, wo man sich durch die Welt der italienischen Spezialitäten durchprobieren, oder einfach bei einem Getränk das bunte Treiben in der Gasse beobachten kann. Zusätzlich gibt es zahlreiche Geschäfte und Marktstände, bei denen man alles über Käse, Wurstwaren, Pasta, bis hin zu Obst und Gemüse bekommt. Ein kleines Paradies für Foodies.



Ankunft in Montepulciano
Anschließend begaben wir uns auf den restlichen Weg nach Montepulciano und ließen den Tag nach der Ankunft direkt nebenan bei BBQ Chianina Station mit Wein und Pasta ausklingen. Das Restaurant scheint eine kleine lokale Kette zu sein, mit guter Qualität zu fairen Preisen.


Da wir bereits am Karfreitag losgefahren waren, hatten wir dann den Ostersonntag und -montag Zeit für die ersten Unternehmungen.
Thermalquellen & Pienza
Am Sonntag machten wir einen Ausflug nach Bagni San Filippo – einer der Orte in der Toskana mit natürlichen Thermalbecken. Im Ursprung hat es etwa 50 Grad, an den Ausläufern, an denen wir im Wasser waren, waren es wahrscheinlich eher um die 25 Grad. Aber ausreichend warm, um an einem sonnigen Apriltag zu baden. Im Anschluss kehrten wir bei Morsi & Sorsi für einen Drink und ein Gelato ein. Das Essen kann ich also nicht beurteilen, aber für einen kurzen Stopp abseits des Weges sehr zu empfehlen.



Anschließend ging es nach Pienza, einer meiner Lieblingsorte in der Toskana. Eine wunderschöne Altstadt mit kleinen Gässchen und kleine Läden mit lokalen Spezialitäten.



Osterabende in Montepulciano
Am Abend ging es zum Ristorante Poggiardelli, etwa 10 Minuten außerhalb von Montepulciano. Ein kleines, charmantes Restaurant, das Teil eines Agriturismo ist. Um sich als Agriturismo zu zertifizieren müssen diese Unterkünfte und Restaurants strenge Auflagen erfüllen. U.a. müssen alle angebotenen Produkte, einschließlich aller Getränke, aus der Toskana stammen. Ein spannendes Konzept, das zum Einen lokale Produkte und kurze Lieferketten garantiert und zum Anderen die Betriebe vor Ort fördert.
Vom Ostermenu teilten wir uns eine gemischte Vorspeisenplatte und die Ravioli mit Burrata, Tomaten, Rucola und Grana Padano. Zur Hauptspeise gab es für mich gegrilltes Lamm mit frittierten Artischocken und zum Nachtisch Erdbeeren mit Zitrone. Einfach, aber ein perfekter und leichter Abschluss.




Am Tag darauf schlenderten wir gemütlich durch die Altstadt von Montepulciano und kehrten Abends bei Le Logge del Vingola ein. Dort konnte man neben dem A la carte Angebot auch ein drei oder vier Gänge Tasting Menu bestellen. Bei zwei Personen bedeutet dies unterschiedliche Gänge und Weinpairings. Zusätzlich kann man Vorlieben oder Abneigungen/Unverträglichkeiten angeben.
Leider konnten mich der Gruß aus der Küche und der erste Gang (ein Fisch-Mousse, das hauptsächlich gefroren war) nicht so ganz überzeugen. Der Primi Gang war dafür ungewöhnlich und spannend – Risotto mit schwarzer Zitrone.



Die Hauptgänge waren gut, aber auch nicht überragend. Für mich gab es eine Lachsforelle im Noriblatt, Curry-Beurre-Blanc und Karotte. Auch der Nachtisch war ok, aber eben nicht mehr. Zusätzlich war der Früchte-„Chip“ leider eher zäh und blieb in den Zähnen kleben. Insgesamt zwar ein ganz gutes Essen, aber Preis-Leistung haben mich hier leider nicht überzeugt.



Workation-Alltag & Weinprobe
Am nächsten Tag ging es erstmal in den ‚Workation-Arbeitsalltag‘. An einem der Feierabende kehrten wir in der Vineria di Montepulciano ein und bestellten eine Weinprobe inklusive Antipasti-Brett. Insgesamt war das Preis-Leistungsverhältnis gut, aber den Schinken hätte ich mir in dünnen Scheiben statt in Würfeln gewünscht. So waren einige Stücke nicht wirklich gut kaubar. Die gebotenen Weine waren gut, aber auch nichts, was lange in Erinnerung blieb.


Taverna di Fucile – Perfekter Start in den Urlaub
Am Freitag ging es dann nach Feierabend zum Beginn des „richtigen“ Urlaubs zur Taverna di Fucile (Agriturismo), nur wenige Minuten von der Altstadt entfernt. Dort wurden wir sehr herzlich mit einem Schluck Weißwein aus eigener Produktion begrüßt. Wir entschieden uns dazu, die Pici mit Ragu Bianco zu teilen und anschließend für ein Bistecca Fiorentina. Wir konnten zwischen 1,0 und 1,5 kg wählen und entschieden uns für die kleinere Variante. Sowohl die Pici als auch das Steak waren hervorragend. Zum Steak bestellten wir einen gemischten Salat, karamellisierte Zwiebeln und gebackenen Kartoffelbrei mit Olivenöl und Kräutern (unfassbar lecker!). Zum Nachtisch gab es dann noch Ricotta mit Honig und Vin Santo. Der Tipp der Küche: Vin Santo über Ricotta und Honig geben und vermischen. Sehr lecker.




Wochenende in der Chianti Region
Am Samstag ging es dann für eine Nacht zum Agriturismo Il Verreno, traumhaft gelegen auf halber Strecke zwischen Montepulciano und Florenz. Neben verschiedenen Freizeitangeboten gibt es dort auch das Restaurant Cucina Donnalusia, wo neben dem A la Carte Angebot auch zwei Tasting Menus angeboten werden. Ich entschied mich für das Menu ‚Roots‘, das lokale Zutaten in den Vordergrund stellt.
Zunächst bestellte ich einen Aperitif. Auf Empfehlung einen Spritz mit hausgemachtem Lorbeer-Likör. Knallgrün und sehr lecker! Dazu gab es ein Trio als Gruß aus der Küche. Danach bekam ich frisches, warmes Brot und hauseigenes Olivenöl.



Anschließend kamen in angenehmem Abstand nach und nach die einzelnen Gänge. Mein Highlight waren die Artischocken-Panciotti und das Risotto, aber auch insgesamt waren alle Gänge überzeugend und schön rund. Ab dem Risotto habe ich allerdings gemerkt, dass die Gänge insgesamt etwas zu üppig waren. Nach der Hälfte des Risottos merkte ich, dass ich langsam satt wurde und musste leider einen Teil übrig lassen, weil ich sonst den Rest nicht mehr geschafft hätte.



Als Digestif bestellte ich dann noch die pure Version des Lorbeer-Likörs. Ebenfalls sehr lecker, aber auch mit einigen Umdrehungen.



Am nächsten Morgen hatte ich eine Yoga Stunde gebucht, die über die Rezeption vor Ort organisiert werden kann. Anschließend genoss ich das Frühstück auf der Terrasse. Die Auswahl war großartig, es gab alles was das Herz begehrt. Insgesamt kann ich diese Unterkunft sehr empfehlen.



Am nächsten Tag ging es zurück nach Montepulciano für eine kleine Wanderung und eine Weinprobe mit Führung in der Vecchia Cantina. Insgesamt ein gutes Tasting und ein schöner Keller, aber so richtig konnte uns keiner der Weine überzeugen.


Fattoria San Martino – vegetarisches Highlight
Abends ging es zu Fuß zur Fattoria San Martino, ein kleiner Agriturismo gleich außerhalb von Montepulciano. Von unserer Unterkunft waren es etwa 15 Minuten zu Fuß. In der Fattoria gibt es ein wechselndes Menü, das immer vegetarisch ist, auf Wunsch auch vegan. Bevor jetzt jemand den Absatz überspringt: Gleich der erste Gang konnte meinen Fleisch-liebenden Mann sofort überzeugen. Der Kartoffelflan mit Lauch klingt simpel, aber war eine Geschmacksexplosion. Wirklich beeindruckend, wie viel man aus diesen einfachen Zutaten herausholen kann.


Als zweiten Gang gab es Gnocchi ohne Mehl, was ihnen eine fluffige Konsistenz gab und etwas an kleine Kartoffelklöße erinnerte. Anschließend gab es Soja Geschnetzeltes, das sowohl von Konsistenz als auch Geschmack nicht vermuten ließ, dass hier kein Fleisch verwendet wurde. Ich persönlich finde diese Variante sogar besser, da man hier nicht Gefahr läuft, auf ein durchwachsenes Stück Fleisch zu beißen.


Zum Abschluss gab es dann noch Panna Cotta mit etwas Schokoladencreme. Ein rundum gelungenes Menü zu einem fairen Preis (50 Euro). Ich kann einen Besuch hier nur empfehlen.
Am nächsten Tag war es etwas regnerisch, und so nutzen wir auch diesen Tag für Weinproben. Unser Highlight war die Weinprobe im Poliziano Weingut, wo sowohl die Leitung der Weinprobe als auch die Weine wirklich toll waren. Es war eine der wenigen Weinproben, bei der uns jeder der Weine geschmeckt hat.

Campa Cavallo – lokaler Geheimtipp
Abends ging es, unweit von unserem Apartment und direkt außerhalb der Altstadt Montepulcianos, zum Campa Cavallo Lab. Wie sich herausstellte, ist dieses Lokal nur in der Wintersaison und vor allem für Einheimische geöffnet. Im Sommer ist das Restaurant nicht geöffnet, da sich die Betreiber in dieser Zeit auf Event Catering konzentrieren. Jedenfalls sagten uns unsere Sitznachbarn an der langen Theke und Stammgäste, wir wären die ersten Touristen, die sie hier gesehen haben.



Nachdem wir an der Theke Platz genommen hatten, konnten wir erstmal Bärlauch Popcorn naschen und das Treiben in der Küche beobachten. Kurz darauf kamen bunt gemischte Vorspeisen an unseren Platz. Neben den üblichen Wurst und Käse Variationen gab es noch zwei Fleischbällchen und Mixed Pickles.
Im Anschluss gab es eine moderne Interpretation des italienischen Gerichtes Seppie con Piselli – ein Eintopf mit Erbsen und Tintenfisch. Danach folgte mein Favorit: Risotto mit Gorgonzola und frittierten Artischocken. Der Käse gab genau die richtige Würze hinzu.



Beim Fleischgang gab es das in Italien beliebte Diaframma, in Deutschland besser als Skirt Steak oder Onglet bekannt. Über das Dessert freuten sich unsere Sitznachbarn besonders. Stammgäste können dort Anregungen für Gerichte geben. Und ihrem Wunsch wurde an diesem Abend endlich nachgekommen.
Wir hatten einen tollen und geselligen Abend an der Theke im Campa Cavallo Lab. Auch hier fanden wir den Menupreis von 50 Euro mehr als fair. Absolute Empfehlung! Wenn auch leider nur für die Wintersaison (bis Mitte April).
Montalcino & Brunello
Dies war bereits unser letzter Abend in Montepulciano. Am nächsten Tag ging es weiter nach Montalcino zum Capanna Suites Agriturismo. Dort hatten wir uns für 3 Nächte ein wunderschönes, großes Doppelzimmer gebucht. Dort ist in der Buchung eine Stunde die exklusive Nutzung des Spa-Bereiches inklusive. Da es ein sehr verregneter Tag war, verbrachten wir somit den Nachmittag im Spa mit Sauna und Whirlpool.


Zum Abendessen ging es in die Altstadt von Montalcino, zu Il Moro. Ein uriges Restaurant, mit fairen Preisen und lokalen Gerichten. Wie in Italien üblich, gab es auch hier zunächst Brot und leckeres lokales Olivenöl. Neben Bruschetta zur Vorspeise, bestellte ich Pici (in Montalcino Pinci genannt) all’aglione. Ein typisches lokales Gericht mit ‚Aglione della Valdichiana‘. Eine spezielle Knoblauch-Sorte, die größer ist, aber dafür milder und nussiger schmeckt und nicht den typischen Knoblauchgeruch verursacht. Zum Nachtisch gab es Vinsanto mit Cantucci, die man hier traditionell in den Vinsanto dippt. Unbedingt ausprobieren!



Am nächsten Tag folgten wir einer Empfehlung unserer Tischnachbarn aus dem Campa Cavallo und begaben uns zur Weinprobe zum Fortezza in der Altstadt Montalcinos. Dort werden verschiedene Weinproben angeboten; für Brunello (wofür die Region Montalcino berühmt ist), kann man je zwischen 3 und 5 Weinen wählen, und zwischen „normalen“ und „Top“ Weinen. Wir entschieden uns einmal für die 5 normalen und einmal die 5 Top Brunellos, also insgesamt 10 Weine.


Zur Weinprobe gab es einen kleinen Teller mit verschiedenen Pecorino Sorten und ein Körbchen Brot-Sticks. Gegen Ende der Weinprobe fragte uns die Bedienung, welche Weine uns jeweils am besten geschmeckt hatten, und basierend darauf bekamen wir jeweils einen sechsten Wein als Empfehlung. In beiden Fällen war die Empfehlung sehr gut und entsprach genau unserem Geschmack.
Am Abend ging es zu Maccari – Pura Crocus. Das Agriturismo Restaurant ist gleich außerhalb von Montalcino, jedoch etwas versteckt gelegen und zu Fuß aufgrund der Straße nicht so gut zu erreichen. Wir wurden dort herzlich begrüßt und bekamen zur Begrüßung einen Schluck hauseigenen Rosé, hausgemachtes Brot (inklusive Safran-Brioche) und Olivenöl.



Zur neben zwei Gläsern Rotwein bestellten wir zur Vorspeise den gerösteten Kürbis und 22 Monate gereiften Schinken mit Mixed Pickles. Beides wirklich hervorragend und mit Gemüse aus eigenem Anbau. Die beiden Pasta Gänge waren ebenfalls auf den Punkt.



Zu allen Gängen kam der Gastgeber mit zusätzlichen Weinen für uns vorbei – seine Empfehlungen zu den Gängen. Wir hatten sie nicht bestellt und sie wurden uns auch nicht in Rechnung gestellt. Wenn das mal nicht italienische Gastfreundschaft ist! 🙂



Zwischen den Gängen stellten wir Nachfragen zur Safranernte und daraufhin präsentierte uns unser Gastgeber das Glas mit der gesammelten Safran-Ernte. Ein beeindruckender Anblick. Wir errechneten uns, dass das Glas in vollem Zustand etwa 10.000 Euro Wert ist (basierend auf dem Preis für 1 Gramm). Auch Fleischgänge und Nachtisch waren überzeugend, und im Anschluss konnten wir noch im Verkaufsangebot stöbern. Wir entschieden uns für 1g Safran, eine Flasche Brunello, Olivenöl und ein Glas mit Aglione della Valdichiana-Sauce. Auch hier war das Preis-Leistungsverhältnis wirklich fair, mit ca. 65 Euro pro Person für 4 Gänge und die (nicht eingepreiste) Weinbegleitung.
Roadtrip: Monte Argentario
Am nächsten Tag machten wir einen kleinen Roadtrip (ca. 1,5 Stunden) zur Halbinsel Monte Argentario. Dort stoppten wir in Porto Santo Stefan für einen kleinen Spaziergang an der Promenade und für ein Gelato in der Sonne.



Die Halbinsel ist relativ bergig und Porto Santo Stefano zieht sich bereits in bunten Pastellfarben die Hügel hinauf.

Beim Spaziergang an der Promenade kamen wir an der Trattoria Il Moletto vorbei. Wir waren selbst nicht dort, aber basierend auf dem Eindruck beim Vorbeischlendern und den Online-Bewertungen ist dies ein schönes Plätzchen um einen Drink und ggf auch eine Mahlzeit direkt am Meer einzunehmen.

Falls ihr vorhabt, nach Monte Argentario zu fahren ein kleiner Tipp: versucht nicht, einmal um die Insel zu fahren. Wir mussten nach etwa halber Strecke umkehren, weil die Straße einfach nicht mehr befahrbar war (jedenfalls nicht ohne Unterbodenschäden).

Also fuhren wir nach Porto Santo Stefano zurück und aus der anderen Richtung nach Porto Ercole, dem zweiten Ort auf der Halbinsel. Ein deutlich ruhigeres Örtchen im Vergleich zu Porto Santo Stefano. Dort gibt es zwar weniger Geschäfte, aber ich persönlich fand es in diesem verschlafenen Fischerörtchen deutlich schöner und entspannter.


Bevor wir die Rückfahrt antraten, machten wir noch einen Abstecher zu einem freien Strandabschnitt. Wer es nicht kennt: In Italien sind die meisten Strandabschnitte in Privatbesitz und oft als Lido/Bagno mit Restaurant und Liegen (natürlich gegen Bezahlung) ausgebaut. Wenn man das nicht möchte, sollte man nach einem „Spiaggia libera“ suchen. An genau so einem stoppten wir dann, auf halbem Weg zwischen Halbinsel und Festland. Neben dem Parkplatz führte dort ein kleiner, unscheinbarer Weg durch das Gebüsch an den Strand. Der Weg ist länger als gedacht, aber führt dann auch zu einem sehr langen, freien Strandstück.


Letzter Abend: Il Passaggio by Capanna
Nach der Heimfahrt war es dann Zeit für unser letztes Abendessen in Italien, im Restaurant unserer Unterkunft, Il Passagio by Capanna. Deren verglaste Terrasse hat einen wunderschönen Ausblick in die Landschaft in Richtung Sonnenuntergang.



Zum Abschied aus dem Urlaub bestellten wir das Tasting Menu, das gerade neu für die Saison zusammengestellt wurde. Auch hier stammt alles aus der Toskana und vieles aus dem eigenen Gemüsegarten. Unser Kellner schien sich zu freuen, dass wir Tasting Menu und Weinbegleitung bestellten und erklärte uns mit viel Freude und Liebe zum Produkt die einzelnen Gänge und Weine. Und so begannen wir langsam das Abendessen im Licht der Abendsonne.



Alle Gänge waren gut zusammengestellt und geschmacklich sehr rund. Sowohl optisch als auch geschmacklich war die Artischocke mein Highlight des Abends. Zusammen mit dem Chimichurri und der Mandelcreme einfach eine tolle Kombination. Aber auch die Ribollita war auf den Punkt und mit viel Liebe gemacht. Teilweise war das Gemüse separat gegart, um den perfekten Garpunkt zu erreichen.



Auch bei den nächsten Gängen war viel Umami dabei und die Saucen waren offensichtlich mit viel Zeit und Liebe gemacht. Gegen Ende des Menus ging es mir leider wieder ähnlich wie bei der Cucina Donnaluisa – insgesamt waren die Portionen ein bisschen zu groß bzw. sättigend. Als der letzte Hauptgang mit der Taube kam, war ich eigentlich bereits satt, obwohl ich mich beim Brot zurückgehalten hatte. Aber das ist natürlich Kritik auf hohem Niveau.




Zum Abschluss gab es dann noch ein Soufflé mit Erdbeere und Eis aus Schafsmilch. Im Anschluss machten wir noch einen kleinen Spaziergang rund um das Gelände und so ging unser letzter Urlaubstag in Italien langsam zu Ende.
Rückreise & Finale in Vaduz
Auf der Rückfahrt machten wir einen kurzen Zwischenstopp in Mailand. Wir machten einen kurzen Abstecher zum Dom und ich hatte einen kleinen Kulturschock mit all den Menschenmassen nach den ruhigen Landschaften der Toskana. Danach kehrten wir bei Piz für eine Pizza ein. Irgendwie war die Pizza diesen Urlaub zu kurz gekommen. Wir bestellten hier die Pizza des Tages. Man kann nur zwischen mit und ohne Fleisch wählen, der Rest ist dann eine Überraschung. In unserem Fall eine sehr leckere Überraschung mit Salami und Chili Fäden.

Anschließend ging es weiter zur Zwischenübernachtung nach Österreich. Dort hatten wir uns nochmal zwei Nächte in das Boutiquehotel Bergvilla eingebucht um die Fahrt etwas zu entzerren. Den Tag Zwischenstopp verbrachten wir mit einer Wanderung. und einem Nachmittag mit Pool, Sauna und Lesen in der Sonne in unserem Hotel.

Abends machten wir dann einen Abstecher nach Liechtenstein. Dort hatten wir im Restaurant Chapter Two reserviert. Natürlich etwas preisintensiver als in Italien, allerdings kocht dort mit Martin Weber auch ein Koch der über Jahre hinweg in vorherigen Restaurant mit 1 und sogar 2 Sternen ausgezeichnet war. Und das schmeckt man auch.




Grüner Spargel, Erbsencreme, knuspriger Buchweizen
Bereits der Gruß aus der Küche mit Thunfisch Tataki war voller Umami und mit bedacht gewählten Texturen und schraubte die Erwartungen für die kommenden Gänge nach oben. Auch mein Kingfish und Lachs Ceviche im Anschluss waren einfach köstlich.


gerösteter Blumenkohl, Blattspinat, Nussbuttersauce

Mein einziger „Kritikpunkt“ ist hier die Zusammenstellung der Karte und der Portionsgröße. Neben einem Tasting Menu sind die Gänge in der Speisekarte in First Bites, Chapter One, Chapter Two, Chapter Three und Epilog aufgeteilt. Basierend auf dem Aufbau wirkt es so, als wäre es so gedacht, dass man sich ein Menu daraus zusammenstellen kann. Allerdings sind die Gerichte in Chapter Three richtige Hauptgerichte in entsprechender Größe. Hier würde ich mir in der Karte die Option wünschen, eine kleine Portion zu bestellen. In Chapter Two gibt es die Option für eine größere Portion teilweise, um das Gericht dort zum Hauptgericht zu machen. Auch das ist natürlich wieder Kritik auf sehr hohem Niveau und hat nichts mit Geschmack und Qualität der Gerichte zu tun. Denn auch das Stundenei und die Forelle waren perfekt abgestimmte Gänge. Insgesamt ein toller kulinarischer Abschluss unserer Reise.
Fazit
Die Toskana bleibt für mich eine der vielseitigsten Genussregionen Europas. Zwischen einfachen, perfekt zubereiteten Gerichten und kreativer Fine-Dining-Küche war alles dabei. Und auch Landschaftlich ist es hier wunderschön und der perfekte Ort um einfach mal abzuschalten. Bereits jetzt ist klar: Wir kommen wieder. Die Planung fürs nächste Jahr läuft bereits.

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