An einem wunderbar warmen und sonnigen Muttertag sind wir mittags unterwegs zum GUDN in Mainz-Gonsenheim, das zentral im Ortsteil gelegen ist. Hier kocht Nico Campe, der nach Stationen in verschiedenen Sternerestaurants sein eigenes kulinarisches Reich geschaffen hat. Ein Restaurant und Weingarten mit dem Motto ‚Ehrlich. Gesellig. Bewusst.‘
Fast wären wir am etwas unscheinbaren, roten Backsteinhaus vorbei gegangen, entdecken dann aber das schwarze ‚GUDN.‘ Schild an der Hauswand. Wir treten durch das Tor in einen schmalen Hof, der bereits die ersten Sitzplätze bietet und ins Restaurant führt. Zunächst kommen wir in einen überdachten Teil des Hofes mit einigen Tischen, der weiter zu einem lauschigen Hinterhof führt. Wir kündigen unseren Besuch an und haben die Wahl zwischen einem Tisch im Hinterhof oder einem Tisch im schmalen Hof beim Eingang. Da der Hinterhof bereits gut gefüllt ist und der letzte freie Tisch recht eng zwischen den Nachbartischen liegt, entscheiden wir uns für den ruhigeren Platz im vorderen Hof.
Bei bestem Wetter nehmen wir Platz und bekommen die Karte gebracht. Zusätzlich zum normalen à la carte Angebot gibt es an diesem Tag ein Muttertagsmenü mit 4-5 Gängen. Die freundliche Bedienung erklärt uns, das sich die à la carte Gerichte auch für ein Sharing Konzept eignen. Da uns einige der à la carte Gerichte neugierig machen und wir gern möglichst viel probieren möchten, entscheiden wir uns gegen das Muttertagsmenü und für das Sharing Konzept. Ab 4 Personen kann man hier ein ‚GUDN.Sharing‘ bestellen, bei dem die Küche eine selbst gewählte Auswahl zusammenstellt. Alternativ gibt es auch ein 3, 4, oder 5 Gänge Überraschungs-Menü.

Zunächst bestellen wir einen Aperitif. Da ich im Anschluss noch fahren muss, freue ich mich sehr über die alkoholfreien Aperitif-Optionen und entscheide mich für den 0,0 Tanqueray Sevilla Gin Tonic. Auch für die Weinbegleitung bietet das GUDN zwei alkoholfreie Weine vom Weingut Meier in Franken an (Riesling und Chardonnay).
Die Speisekarte ist nicht klassisch in Vorspeisen und Hauptspeisen unterteilt, sondern lediglich in ‚Vegetarisch oder Vegan‘, ‚Suppen‘, ‚Aus dem Wasser‘ und ‚Fleisch‘. Wir entscheiden uns zum Einstieg für zwei Gerichte aus der vegetarisch-veganen Auswahl, gefolgt von je einer Suppe und danach zwei Gerichten ‚aus dem Wasser‘. Wir lassen uns beraten ob diese Auswahl im Sharing Konzept für 2 Personen passend ist, und dies wird uns bestätigt. Unbedingt probieren möchten wir auch das ‚Brot & Buddha‘, mit frischem, aromatischem Sauerteigbrot, Butter in Buddha-Form und eingelegten Radieschen. Bis wir das Essen bestellen können vergeht ein wenig Zeit, was daran liegen mag, dass wir die Einzigen an den 3 Tischen in unserem Bereich sind und zusätzlich im überdachten Teil eine größere Gruppe für eine Familienfeier zu Gast ist.

Nach kurzer Zeit geht es bereits mit den ersten beiden Gerichten los. Den Auftakt macht das gebeizte Karotten-Tartar mit Goma-Dressing (japanisches Sesam-Dressing), Jalapeño und Wasabi in Texturen. Das Tatar überrascht mit vollem, rundem Geschmack mit Umami-Aromen und lässt vergessen, dass hier weder Fisch noch Fleisch auf dem Teller ist. Das Goma Dressing ist mit seinen nussigen Noten die perfekte Ergänzung. Das Wasabi in den verschiedenen Texturen (Chip, Nuss, Creme, Eis) sorgt für einen zusätzlichen Kick und reichlich Abwechslung.


Anschließend widmen wir uns dem weißen Spargel mit Kaffee und Mascarpone. Der Spargel ist perfekt gegart und umgeben von einer cremigen, aber auch etwas fluffigen Sauce. Der feine Kaffeestaub bringt eine überraschend würzige, leicht herbe Komponente ins Gericht.

Als Zwischengang gibt es für uns beide das Bärlauch-Cremesüppchen mit Backerbsen und Bärlauchblüten. Die Portion ist überraschend großzügig, was aber dank der Leichtigkeit der Suppe in Ordnung ist. Trotzdem bringt sie einen frischen, intensiven Bärlauchgeschmack mit. Ein Stück Frühling in der Suppenschüssel.
Nach jedem der Gänge werden wir gefragt, ob es mit dem nächsten Gang weitergehen darf. Schön, dass hier auf die Bedürfnisse der Gäste eingegangen wird. Zum Fischgang wählen wir ein Glas Weinbegleitung. Für eins der beiden Gericht gibt es direkt die Empfehlung für den Sauvignon (Von Winning, Pfalz), für das andere Gericht muss nachgefragt werden. Kurz darauf bekomme ich ‚den Chardonnay‘ serviert, ohne weitere Erklärung. Hier hätte ich mir eine kurze Rückfrage gewünscht und auch ein, zwei Worte, weshalb er ausgewählt wurde.
Kurz darauf kommen die nächsten beiden Teller an den Tisch. Der Moscardini Octopus wird auf einer Passionsfrucht-Flugmango-Salsa serviert, welche die gebratenen ‚Mini-Kraken‘ mit ihren süß-sauren Noten gut ergänzt. Auf einem kleinen zusätzlichen Teller gibt es ein kleines Stück gold-braun gebratene Brioche. Ein spannendes, sommerliches Gericht.


Etwas deftiger geht es auf dem zweiten Teller zu – wir haben den Schwarzen Heilbutt „Thermidor“ bestellt. Abgerundet wird er von Bergkäse und Sommertrüffel, mit ein paar Röschen buntem Blumenkohl. Die Thermidor-Sauce ist cremig und reichhaltig und doch nicht zu schwer. Der Bergkäse verleiht dem Gericht würzige Noten und der Sommertrüffel entfaltet zusätzlich sein typisches, leicht nussiges Aroma. Ein guter Abschluss des Menüs.
Wir entscheiden uns spontan, dass noch etwas Platz ist für ein geteiltes Dessert ist und bestellen das Rhabarbermousse „Frühlingswiese“ mit Joghurteis, Weizengras und Knallbrause. Kurze Zeit später ist es bereits bei uns am Tisch. Der Rhabarber und der Joghurt ergeben ein süß-säuerliches Dessert, das für einen angenehmen und leichten Abschluss sorgt. Perfekt an einem warmen Tag wie diesem. Die Knallbrause kommt wie ein kulinarisches Augenzwinkern des Chefs daher, der hier gleichzeitig Kindheitserinnerungen weckt und für Überraschungsmomente auf dem Löffel sorgt.

Nach einer kleinen Wartezeit können wir schließlich die Rechnung bestellen. Das GUDN bietet hier hohe Qualität und abwechslungsreiche, spannende Gerichte zu fairen Preisen. Zusätzlich hat man durch à la carte und Menüs in verschiedenen Größen viel Flexibilität. Ein schönes, entspanntes Konzept, das zur Wiederkehr einlädt.
Wir machen noch einen Spaziergang durch den nur wenige Minuten entfernten Lennebergwald, ehe wir uns zufrieden und voller neuer kulinarischer Eindrücke auf den Heimweg begeben.


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