Sterne über Frankfurt – Die Nacht der Restauranttester

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Ein zweites Mal innerhalb einer Woche sind wir auf dem Weg nach Frankfurt – wir haben Tickets für ein weiteres „Sterne über Frankfurt“-Event ergattert. Nach der Welcome Party im Florentin geht es diesmal in die Genussakademie im Bahnhofsviertel. Das Thema „Nacht der Restauranttester“ hat uns neugierig gemacht. So richtig etwas vorstellen können wir uns noch nichts unter dem Motto, besonders, welches Menü wir unter diesem Thema erwarten können. Gespannt betreten wir das Gebäude und begeben uns in das oberste Stockwerk.

Nach einer kurzen Begrüßung mit einem Glas Chardonnay Brut der Sektkellerei Oppmann, erkundigen wir uns nach unserer Tischnummer und nehmen an unserem zugewiesenen Tisch Platz. Insgesamt passen jeweils 12 Personen an einen Tisch.

Neben der üblichen Ausstattung für einen eingedeckten Tisch finden wir auch jeweils ein grünes und ein orangefarbenes Stück Papier an unserem Platz. Kurz darauf eröffnet Dr. Jan Peter Eichhorn, Geschäftsführer beim Frankfurt Journal und ehemals Chefredakteur von „Frankfurt geht aus!„, den Abend. Er verspricht, dass man sich bei der Planung des Abends alle Mühe gegeben habe, uns trotz der Hitze einen spannenden und kurzweiligen Abend zu bieten. Dann weist er darauf hin, dass der erste Programmpunkt bereits auf dem Tisch steht. Etwas Brot mit zwei verschiedenen grünen Pestos. Die Aufgabe an die Gäste lautet nun: Welches Pesto wurde in der Küche der Genussakademie selbst gemacht, welches kommt aus dem Glas eines bekannten Herstellers?

Die Begeisterung am Tisch war so groß, dass es nur die Reste des Pestos auf das Bild geschafft haben.

Sofort stürzen sich alle Tische auf die Aufgabe und beginnen, die beiden Pestos zu probieren. Der erste Unterschied ist bereits bei der Optik erkennbar: eins ist strahlend grün, das andere etwas dunkler. Auch geschmacklich schmecken sie verschieden. Das dunkle ist etwas salziger und schmeckt etwas intensiver nach Hartkäse. An unserem und allen weiteren Tischen kommen sofort Spekulationen auf, welches der Pestos den bekannten Marken-Geschmack hat. Nachdem alle Tische Zeit hatten zu probieren, gibt es eine Abstimmung mit Hilfe der grünen und orangefarbenen Papierstücke. Der Saal ist gespalten, welches der beiden Pestos das selbstgemachte ist. Dann kommt die Auflösung: das hellere, strahlend grüne Pesto ist das selbstgemachte.

Kaum haben sich die Pesto-Diskussionen gelegt, wartet bereits die nächste Aufgabe: zwei Gläschen mit Spargelcremesuppe. Eins aus der Tüte, eins selbstgemacht. Wer erkennt es? Die Suppen haben nur einen minimalen farblichen Unterschied, aber eine der beiden gibt einen intensiveren Spargelgeruch ab und wirkt ein wenig dickflüssiger. Ein erster Hinweis?

Wir probieren beide Suppen. Die leicht hellere, dünnflüssigere der beiden Suppen schmeckt frisch, und hat eine feine Balance zwischen Spargel und Sahne. Die zweite Suppe hat einen intensiveren Spargelgeschmack und die dickflüssigere Konsistenz scheint von einem Abbinden mit Mehl o.ä. zu kommen. Auch diesmal können die Gäste wieder abstimmen, und wieder gehen die Meinungen auseinander. Die Auflösung: die hellere, dünnflüssigere Suppe ist die selbstgemachte, die „mehligere“ stammt aus der Tüte.

Nun bekommen die Gäste ein schwarzes Glas mit Wein serviert. Ist es Weißwein? Rotwein? Welche Sorte? Man fängt an zu probieren und zu diskutieren. Der Wein ist gekühlt, aber hier lassen sich die Gäste nicht täuschen, wie die spätere Abstimmung zeigt: es ist Rotwein. Bei der Rebsorte gehen die Meinungen auseinander. An unserem Tisch gehen die Tipps in Richtung leichtere Sorten wie Spätburgunder/Pinot Noir. Es gibt einige andere Vorschläge und der Tisch nebenan hat recht: es ist ein Primitivo aus Italien (Tenuta Giustini). Nachdem wir den Wein eine Weile bei Raumtemperatur habe stehen lassen, entfalten sich dann auch die typischen Primitivo Aromen. Ein spannendes Experiment, das zeigt, wie wichtig die richtige Temperierung des Weines ist.

Die nächste Aufgabe ist besonders schwierig. Handelt es sich beim Fisch der im nächsten Gang serviert wird um Lachs oder Lachsforelle? Und wie wurden die beiden Fischstücke gegart? Wir nehmen den Fisch genauestens unter die Lupe, aber kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Ist es eine recht große, eher fettige Lachsforelle? Ist es ein Stück Lachs? Auch die Restauranttester und der Chefkoch geben zu, dass es – besonders nach dem Garprozess – fast unmöglich ist, den Fisch eindeutig zu bestimmen. Die Auflösung: es ist Lachsforelle. Die linke ist angebraten, die rechte ist konfiert (in Öl gegart).

Zwischen den Gängen plaudern Jan-Peter Eckhardt und Gabriele Lohwasser (Chefredakteurin von „Frankfurt geht aus!“) aus dem Nähkästchen. Von bekannten Persönlichkeiten die bereits als Restauranttester unterwegs waren, über geklaute Speisekarten, bis hin zu einem versalzenen Espresso im Sterne-Restaurant ist alles dabei und sorgt für einige Lacher und einen kurzweiligen Abend.

Weiter geht’s mit dem kulinarischen Programm. Im Mai befinden wir uns natürlich mitten in der Spargelsaison, und so kommt auch beim nächsten Gang Spargel ins Gläschen. Diesmal Spargelstücke mit Sauce Hollandaise und Kartoffelpüree und wieder die Frage: was kommt aus der Packung?

Bereits optisch kann man die beiden Hollandaise-Saucen unterscheiden. Eine ist rein cremefarben, die andere scheint ein Gewürz oder andere dunklere Partikel zu enthalten. Das Kartoffelpüree sieht optisch gleich aus. Bei der ersten Hollandaise sind wir uns recht schnell einig, dass erstere wie ein bekanntes Convenience-Produkt schmeckt, dass es an jedem Spargelstand zu kaufen gibt. Die zweite hat mehr geschmackliche Tiefe und ein wenig mehr Säure. Die beiden Kartoffelpürees schmecken relativ ähnlich – eines ist „schleimiger“ als das andere, was den Verdacht des Fertigprodukts hierhin lenkt. Die Auflösung überrascht: beide Saucen und Kartoffelpürees kamen aus der Tüte. Einmal ohne zusätzlichen Aufwand, einmal etwas aufgebessert mit brauner Butter und etwas Zitronensaft in der Sauce. Hier werden die Tricks veranschaulicht, die genutzt werden können, um Convenience Produkte hochwertiger erscheinen zu lassen.

Im Anschluss dürfen wir uns dann noch über hausgemachte Sauce Hollandaise und Kartoffelpüree freuen. Aber auch hier ist wieder „Arbeit“ versteckt. Zwei unterschiedliche Stücke Fleisch im Kräutermantel. Eins ist Kalbsfilet. Das andere ist … – ja was ist es denn? Am Tisch wird gerätselt. Welches Stück das Filet ist, erkennen alle sofort: das dunklere, saftigere. Aber was ist das andere? Ist es Kalb? Ist es Schwein? Ist es überhaupt Fleisch? Ist es Fleischersatz? Es wird wild durcheinander geraten.

Kurze Zeit später die Auflösung: Es war Kalbsrücken.

Das Thema des Abends wird konsequent bis zum Ende durchgezogen, und so kommen auch zwei Gläschen Dessert an den Platz: Mousse au Chocolat mit Erdbeeren. Welches Mousse kommt aus der Packung?

Erneut gehen die Meinungen am Tisch auseinander und verschiedene Hersteller werden verdächtigt im Glas zu sein. Die Abstimmung geht gespalten aus. Das hellere Mousse wurde aber von der Mehrheit der Gäste korrekterweise als das hausgemachte identifiziert.

Wer nun dachte das war’s – bei einem guten Dinner darf natürlich die Käseplatte nicht fehlen. Wir bekommen je eine Supermarkt und eine Rohmilchvariante aus der Käserei serviert – je einen Hartkäse und einen Camembert. Der Supermarkt-Camembert ist schnell entlarvt. Während dieser recht fest ist und die Form hält, schmilzt der Rohmilchkäse bei Raumtemperatur in Richtung Teller und ist wunderbar cremig.

Auch beim Hartkäse ist der Unterschied recht offensichtlich. Das Stück Käse aus dem Supermarkt hat die typische weich-gummige Konsistenz die man allgemein kennt. Der andere Käse ist etwas fester und hin und wieder findet man beim Kauen kleine „Kristalle“. Zum Finale der schwierigste Teil: welchen Hartkäse haben wir gegessen? Nach kurzem Raten ist die richtige Antwort dabei: es ist Comté.

Bevor der offizielle Teil des Abends gänzlich vorbei ist, wird noch ein kleines Gewinnspiel angekündigt: es gibt ein Messer und ein Kochbuch zu gewinnen. Das Gewinner-„Los“ ist im abschließenden Espresso versteckt: Gemäß der zuvor preisgegebenen Anekdote befindet sich in einem Espresso Salz statt Zucker. Wer diese „unglückliche“ Tasse erwischt, darf den Preis mit nach Hause nehmen.

Die Tassen werden nach und nach serviert – selten hat man so viele skeptische Blicke in Richtung einer Tasse gesehen. Die ersten Gäste probieren mutig ihren Espresso. Nach kurzer Zeit meldet sich der betroffene Gast mit verzogenem Gesicht. Unter Applaus bekommt er den Gewinn und eine neue Tasse Espresso ausgehändigt.

Sterne über Frankfurt - Nacht der Restauranttester

Ein tolles Konzept, was die Redaktion von „Frankfurt geht aus!“ hier erarbeitet hat. An diesem Abend geht man ganz anders an das Essen heran – man isst viel bewusster und mit allen Sinnen. Es war sicherlich der erste Abend, an dem wir eine Menge Freude daran hatten, Convenience Produkte vorgesetzt zu bekommen. Vielen Dank für einen spannenden und abwechslungsreichen Abend!

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