Nach der langen Wanderung am Sonntag mache ich mich Montagmorgen mit etwas schweren Beinen auf den Weg in Richtung Kochschule. Der letzte Tag vor den Prüfungen steht an.
Am Vormittag wiederholen wir nochmal, wie man einen Fisch filetiert – diesmal eine Dorade. Anschließend bereiten wir Kartoffelpüree, glasiertes Gemüse und Muschelfrikassee zu.
Als alles so weit vorbereitet ist und warm gehalten wird, braten wir den Fisch an. Als ich fertig bin, kommt Chef Darren an meiner Station vorbei, gibt mir ein High-Five und sagt, dass mein Fisch, so wie er heute gebraten ist, eine ‚Distinction‘ (Bestnote) bekommen würde. So fängt die Prüfungswoche doch gut an!

Nach dem Mittagessen geht es mit einer Lammhüfte weiter. Da dieses Stück Fleisch mittig eine Sehne hat, kann es trügerisch sein, den Gargrad über den Fingerdruck zu erkennen. Chef Darren lässt uns sein Stück Lammfleisch regelmäßig fühlen, um ein Gefühl dafür zu bekommen.

Mein Stück Fleisch ist etwas dünner, und wirkt nach der Mindestzeit im Ofen bereits fertig, fast etwas übergar. Chef Darren bestätigt meine Vermutung und ich nehme das Fleisch aus dem Ofen zum Ruhen. Als Beilage haben wir grüne Bohnen, gemischtes Gemüse und eine Estragon-Jus vorbereitet. Zusätzlich gibt es Pürees aus konfiertem und aus schwarzem Knoblauch.
Nach ein paar Minuten Ruhen kann ich mein Lammfleisch anschneiden und freue mich zu sehen, dass das Fleisch schön rosa ist.
Zum Abschluss des Tages gibt es ein Zitronen-Mandel-Küchlein mit Zitronen-Gel, einer Tiramisu-Creme und Pistazien.
Damit ist der letzte normale Küchentag beendet und am nächsten Tag steht die Testprüfung an.

Abends gehe ich ins Yoga Studio und setze mich anschließend an die Prep-Liste für den nächsten Tag. Wir müssen für die 3 Stunden der Testprüfung einen Ablaufplan erstellen, den wir dann beim Prüfer abgeben. Auf dem Plan stehen zwei Gerichte – eine Suppe und ein Tartelette. Zusätzlich zur zeitlich sinnvollen Planung müssen wir darauf achten, dass alle kühlschrankpflichtigen Lebensmittel vom Beginn der Prüfung an richtig gelagert werden. Ich bin es eigentlich bereits gewöhnt, mir solche Listen zusammenzustellen, wenn wir Gäste bekommen und ich aufwändiger koche. Trotzdem brauche ich einige Zeit für meine Prep-Liste und überlege hin und her, was ich in welcher Reihenfolge tun sollte.
Den nächsten Tag gehe ich ruhig an. Unsere Gruppe ist in zwei Blöcke aufgeteilt und meine Prüfungen finden jeweils nachmittags ab 13:30 Uhr statt. Also habe ich Zeit, um etwas auszuschlafen und nochmal in Ruhe Rezepte und Prep-Liste durchzugehen.

Gegen 11 Uhr halte ich es nicht mehr in der Wohnung aus und gehe eine Stunde spazieren. Obwohl an diesem Tag nur eine Test-Prüfung ist und es um nichts geht, bin ich doch etwas nervös. Meinen eigenen inneren Ansprüchen ist es scheinbar egal, ob es eine echte Prüfung ist oder nicht. Nach dem Spaziergang esse ich noch schnell zu Mittag und mache mich dann auf den Weg zur Kochschule.
Nach einer kurzen Wartezeit kommt Chef Director Darrin in den Raum und macht eine kurze Vorbesprechung; dann geht es in die Küche. Dort gehen wir an unsere zugewiesenen Stationen und machen uns bereit. Über dem Chef-Pult vorne im Raum startet Chef Darrin auf einem großen Bildschirm den Timer. Der 3-Stunden-Countdown beginnt rückwärts zu laufen und wir dürfen beginnen.
Die 3 Stunden vergehen wie im Flug. Nach etwa der Hälfte der Zeit serviere ich am Chef-Pult meine Suppe. Das ganze Setting erinnert mich etwas an die Sendung Top Chef und ähnliche Kochsendungen.
Chef Darrin begutachtet meine Suppe und probiert sie, ohne eine Mine zu verziehen. Dann wendet er sich zu seinem Laptop und macht sich Notizen. Ich lasse mich kurz davon ablenken, dann widme ich mich meinen Tartelettes. Ein bisschen abgelenkt bin ich scheinbar immer noch, denn statt einem Eigelb und einem Ei gebe ich beide Eier vollständig in die Mischung für die Füllung. Zum Glück bemerke ich es rechtzeitig und muss Chef Darrin etwas verlegen um neue Zutaten bitten.
Beim zweiten Versuch klappt dann alles und meine Tartelettes wandern in den Ofen. Im Rezept sind 18-25 Minuten Backzeit angegeben – meine Tartelettes wirken jedoch schon nach etwa 16 Minuten, als wären sie fertig. Statt auf mein Bauchgefühl zu hören, lasse ich sie noch ein paar Minuten im ausgeschalteten Ofen stehen.


Nach kurzem Abkühlen serviere ich Chef Darrin ein Tartelette. Auch diesmal lässt sich seinem Gesicht kein Feedback ablesen.
Zum dreistündigen Zeitfenster gehört auch, dass wir die Küche wieder säubern und aufräumen. Wir sind alle etwa zur selben Zeit fertig und machen uns an die Arbeit. Anschließend bittet uns Chef Darrin noch kurz dazubleiben. Wir sitzen gespannt im Versammlungsraum und warten.
Kurz darauf kommt Chef Darrin mit ein paar Ausdrucken in den Raum. Zunächst gibt er uns allgemeines Feedback: sowohl wir, als auch die Vormittags-Gruppe hätten einen sehr guten Job gemacht. Er betont nochmal, dass auch bewertet wird, wie sauber und möglichst leer wir unsere Arbeitsstationen während des Kochens halten. Dann reicht er jedem von uns einen Zettel mit Feedback zu unseren gekochten Gerichten.
Ich freue mich sehr über das Feedback zu meiner Suppe, besonders da sie mir das erste Mal, in Woche 1, nicht so gut gelungen war. Beim Tartelette ärgere ich mich, dass ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört habe, da sie leicht übergart war. Aber auch sonst bekomme ich hier recht gutes Feedback. Insgesamt sehe ich so etwas beruhigter den richtigen Prüfungen entgegen.

Im Anschluss an die Prüfung lade ich noch die letzten Fotos und Feedback-Formulare hoch, die wir über die letzten Wochen zu verschiedenen Gerichten einreichen mussten. Danach gehe ich eine Runde Laufen und setze mich dann an die Prep-Liste für den nächsten Tag.
Da meine Prüfung wieder erst am Nachmittag stattfindet, gehe ich morgens um 9:30 zu einer Yogastunde, um auf andere Gedanken zu kommen. Die Stunde ist eine perfekte Mischung aus Kraft und Achtsamkeit und ich gehe mental gestärkt zurück zu meinem Apartment. Dort gehe ich nochmal Rezepte und Prep-Liste durch, esse die übrige Tartelette vom Vortag und mache mich auf den Weg zur Prüfung.
Vor Ort läuft alles ab wie am Vortag, und ich bin dankbar, dass wir die Gelegenheit hatten, uns schonmal mental darauf vorzubereiten.
Der Timer startet und die Prüfung beginnt.
Zunächst bereite ich die Suppe zu und richte sie an. Anschließend werden beide Teller bei Chef Darrin am Pult serviert und er macht zu Dokumentationszwecken Fotos von uns mit unseren Gerichten und Namensschildern. Diesmal warte ich erst gar nicht auf eine Reaktion und fokussiere mich auf den Muffinteig.


Hierfür müssen die Eier mit Zucker zunächst sehr schaumig aufgeschlagen werden. Ich hatte mir notiert, dass man hier nicht zu lange rühren kann, also sammle ich all meine innere Geduld und schlage die Eier mehrere Minuten lang. Zum Glück dürfen wir diesmal einen Handmixer benutzen.
Während ich den Teig rühre, kommt Chef Darrin mit einer Kamera vorbei und filmt mich und den Teig in der Schüssel – ein seltsames Gefühl, aber auch dies ist für die Dokumentation vorgeschrieben. Also nicht ablenken lassen und Muffinförmchen füllen.
Nach einigen Minuten schaue ich in den Ofen und freue mich zu sehen, dass meine Muffins schön weit nach oben aufgegangen sind. Während sie zu Ende backen, bereite ich karamellisierte Nüsse und einen Zitronenguss vor.
Die Muffins werden direkt nach dem Backen mit dem Zitronenguss bepinselt und mit den gehackten Nüssen bestreut. Nach einem kurzen Abkühlen serviere ich 4 Muffins – 3 im Förmchen, einer mittig aufgeschnitten. Chef Darrin wirft einen Blick auf meinen Teller und sagt „Nice!“. Das erste Mal, dass er etwas kommentiert hat. Er macht wieder das nötige Foto von mir und den Muffins und anschließend geht es wieder ans Küche putzen. Nach etwa 2,5 Stunden haben wir es geschafft und dürfen gehen.
Am Abend gehe ich noch etwas Spazieren und schreibe meine Prep-Liste für den nächsten Tag. Diesmal ist die zeitliche Planung besonders wichtig, da wir alles gleichzeitig servieren müssen: Fisch, Gemüse, Kartoffelpüree und Muschel-Frikassee.
Der nächste Morgen läuft genauso ab wie am Tag zuvor: Yogastunde, Rezepte und Prep-Liste durchgehen, Mittagessen, zur Kochschule laufen.
Vor Ort ist alles wie gehabt und der zweite Prüfungsteil beginnt.
Ich filetiere gleich zu Beginn den Fisch, damit ich möglichst konzentriert bin und es hinter mir habe. Als ich fertig bin, kontrolliert Chef Darrin, ob ich Reste am Knochen gelassen habe oder noch Gräten in den Filets sind. Nach kurzer Kontrolle sagt er „Well done“ und ich kann weitermachen.
Zunächst stelle ich die Teller im Ofen warm und heize mir auch ein Backblech vor, um es später zum Warmhalten der Töpfe verwenden zu können. Dann bereite ich nach meiner geplanten Reihenfolge Kartoffelpüree, Gemüse und Frikassee vor. Als alles so weit fertig ist, lege ich die Fischfilets in die Pfanne und merke, wie innerlich die Aufregung steigt. Nun habe ich etwa 5 Minuten bis der Fisch fertig ist, um sicherzustellen, dass alles heiß und angerichtet ist.
Nacheinander kommen Kartoffelpüree und Gemüse auf den Teller. Danach kommen Fisch und Muschelfrikassee dazu. Im letzten Moment denke ich noch daran, die Zitrone über den Fisch zu geben. Dann serviere ich Chef Darrin die beiden fertigen Teller. Er macht das Foto und dann ist die Prüfung auch schon rum.

Wir reinigen die Küche und sind etwas vor Ablauf der Zeit fertig. Direktes Feedback gibt es für unsere Prüfungen leider nicht. Chef Darrin sagt uns jedoch, dass wir in diesem Jahr bisher die beste Gruppe seien. Das freut uns natürlich sehr. Auf unsere individuellen Noten müssen wir aus organisatorischen Gründen nun leider bis November warten.
Jetzt ist aber erstmal Zeit zum Feiern: Eine Kursteilnehmerin hat uns für diesen Abend zu einer Dinner Party zu sich nach Hause eingeladen. Bevor ich mich dafür umziehe, mache ich noch einen kurzen Abstecher zu einem kleinen Laden schräg gegenüber von meinem Apartment. Dort hatte ich schöne Ohrringe gesehen, die ich mir selbst versprochen hatte nach den Prüfungen zu kaufen. Sie sind zum Glück noch da.

Zurück im Apartment dusche ich mich kurz ab, ziehe ich mich um und ziehe direkt die neuen Ohrringe an. Dann muss ich auch schon los. Ich laufe zum vereinbarten Treffpunkt, von wo mich eine weitere Kursteilnehmerin mit zur Dinner Party nimmt.
Nach etwa 30 Minuten Fahrt kommen wir in Topsham an und treffen auf dem Parkplatz bereits weitere bekannte Gesichter.
Nach einem kurzen Fußweg erreichen wir die Adresse und stellen schnell fest, dass das Haus schicker ist als erwartet.
Wir kommen in einen eleganten Eingangsbereich in Weiß- und Creme-Tönen, mit hoher Decke und Balken. An der großen Kücheninsel in der offenen Küche steht bereits ein Koch, der uns an diesem Abend bekocht. Staunend treten wir durch eine Tür auf die Terrasse, wo bereits der Tisch für uns gedeckt ist. Jenseits der Mauer haben wir einen Ausblick auf Fluss und Boote.



Als alle da sind, gibt es bereits die Vorspeisen: Gazpacho, Ziegenkäsemousse mit Parmesanchips, Jakobsmuscheln, Lachsrillette, Hummus und selbstgebackenes Sauerteigbrot. Alles sieht fantastisch auch und wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen.
Mit guten Getränken, entspannter Musik im Hintergrund, toller Aussicht und einer voll gedeckten Dinnertafel sind wir uns einig: dieser Abend ist der perfekte Abschluss für unseren Kurs!



Glücklich über das hervorragende Essen und vertieft in Unterhaltungen geht die Zeit schnell rum, und kurze Zeit später steht bereits der Hauptgang auf dem Tisch: Steak, Fisch, Hühnchen, Couscous-Salat, gerösteter Kürbis und Krautsalat. Wieder ist alles köstlich.
Im Anschluss gibt es noch Desserts, die die Gastgeberin für uns vorbereitet hat: eine Pavlova und einen Browniekuchen.



Nach dem Essen lassen wir den Abend mit Drinks und guter Musik ausklingen.
Am nächsten Morgen ist es dann soweit: der letzte Tag in der Küche steht an. Zunächst bekommen wir alle unsere Zertifikate für den Kurs und die Hygieneschulung überreicht. Danach kochen wir noch zwei thailändische Gerichte.
Zunächst bereiten wir eine Galangal-Suppe (Tom Kha Hed) mit Tintenfisch, Muscheln und Austernpilzen zu. Dafür bekommen wir frische Tintenfische, die wir zunächst zerlegen und in Streifen schneiden müssen.
Anschließend kommen Knoblauch, Galangal (eine Wurzel, die ähnlich aussieht wie Ingwer), Zitronengras, Birds-Eye-Chilis, Kaffir-Limetten-Blätter und Frühlingszwiebeln zusammen mit Kokosmilch und Brühe in einen Wok. Nach kurzem Köcheln kommen Muscheln, Tintenfisch und Pilze hinzu. Dann wird die Suppe mit Fischsauce und Limettensaft abgeschmeckt. Fertig ist unser Mittagessen.


Nach einer kurzen Mittagspause geht es ein letztes Mal in die Küche. Aus einer langen Liste mit Gewürzen und Aromaten stellen wir eine grüne Currypaste her. Dann braten wir Hähnchen im Wok an, und stellen aus der Paste und Kokosmilch ein grünes Curry mit Thai-Auberginen und Thai-Basilikum her (Geang Kiew Wan) und kochen dazu Jasminreis. Curry und Reis können wir einpacken und dann ist es bereits Zeit, die Küche ein letztes Mal zu putzen.
Und dann heißt es Abschied nehmen.


Mit meinem Zertifikat in der Hand mache ich mich mit gemischten Gefühlen ein letztes Mal auf den Weg zurück zum Apartment. Traurig, weil ich die Zeit in der Küche vermissen werde. Stolz, dass ich den Kurs und die Prüfungen erfolgreich absolviert habe. Inspiriert von einer Umgebung, in der ich unendlichen Spaß am Lernen hatte. Eine Umgebung frei von Erwartungen. 4 Wochen voller erfüllender Momente. Ich bin dankbar, dass ich mir diese Zeit geschenkt habe.
Den Nachmittag verbringe ich mit Aufräumen und Packen, bevor gegen Abend mein Mann kommt, um das Wochenende mit mir zu verbringen bevor wir gemeinsam nach Hause fliegen.

Ich nehme ihn mit auf einen kleinen Spaziergang durch die Gässchen Ashburtons, bevor wir den Abend mit Pizza, Cider und ein paar Drinks ausklingen lassen.
Am nächsten Morgen heißt es, die letzten Sachen packen und dann geht es nach einem Frühstück beim Café Nook mit dem Auto in Richtung Cornwall.
Auf dem Weg nach Land’s End, dem westlichsten Punkt Englands, stoppen wir im kleinen Hafenstädtchen Penzance. Dort esse ich dann endlich, zum ersten Mal seit meiner Ankunft, Fish and Chips im Old Lifeboat House. Die Pommes hätten etwas mehr Würze vertragen können, aber der Fisch ist perfekt gegart und schön saftig.


Danach fahren wir die letzte kurze Strecke nach Land’s End. Dort angekommen stellen wir erstmal fest: neben der schönen Landschaft ist hier vor allem eine Art kleiner Vergnügungskomplex mit Essens-, Entertainment- und Shoppingangeboten. Und horrenden Parkpreisen, wenn man länger als 20 Minuten bleiben möchte. Da das Wetter sich eher von seiner britischen Seite zeigt, beschließen wir, nur die 20 Minuten dort zu verbringen und danach zu unserem eigentlichen Ziel, Newquay an der Nordküste, zu fahren.


In Newquay angekommen, freuen wir uns über den Meerblick aus unserem Fenster, dank eines kleinen Zimmerupgrades seitens des Hotels.


Nach einer kurzen Pause fahren wir ein paar Kilometer zur Bucht Watergate Bay für einen Strandspaziergang (leider nach wie vor bei sehr britischem Wetter) und ein anschließendes Abendessen im Restaurant Zacry’s, das zum Watergate Bay Hotel gehört.

Im Restaurant hat man einen wunderschönen Strandblick. Zusätzlich ist die Küche Teil des Gastraums, sodass ich von unserem Tisch aus einen direkten Blick auf die Vorgänge dort habe.
Wir starten mit einem Aperitif in den Abend, während wir aus verschiedenen Optionen unser dort angebotenes 3-Gänge-Menü zusammenstellen.
Nach kurzer Zeit kommt bereits der Gruß aus der Küche: Labneh mit Kräuteröl und etwas frischem Gemüse. Dazu gibt es warmes, buttriges Pitabrot mit frischen Kräutern und ein paar Cracker aus gemischten Saaten.

Anschließend kommen unsere Vorspeisen. Für mich gibt es Thunfisch Tataki mit Soja-Mayonnaise und Radieschen. Für meinen Mann eine Surf’n’Turf-Variante mit Schweinebauch, Jakobsmuscheln, Apfel und Haselnuss.


Mein Hauptgang bricht mit der Regel, dass man Fisch und Käse nicht kombinieren sollte – es gibt Glattbutt (verwandt mit Heilbutt) mit gereiftem lokalen Gouda, dazu Zitronenthymian, Bohnen und Queller. Ein wirklich gelungenes Gericht, das ein Gefühl von Comfort Food vermittelt.


Mein Mann hat das zweite ungewöhnliche Gericht der Karte, das ich ebenfalls gerne bestellt hätte – ein Lion’s Mane (Igelstachelbart Pilz)-Kartoffel-Risotto mit Old Winchester Käse. Ich kannte diesen Pilz bereits aus verschiedenen Videos, da man damit angeblich ein sehr echt aussehendes veganes Steak machen kann. Es ist allerdings das erste Mal, dass ich ihn im Restaurant auf der Karte entdeckt habe. Auch das Risotto ist geschmacklich sehr gut und hat einen ähnlichen Comfort-Food-Charakter.
Zum Dessert gibt es für meinen Mann ein Parfait mit Honig und weißer Schokolade, Met und Zitronenthymian. Für mich gibt es ein Yuzu Sorbet mit Ingwer und Kardamom und dazu zwei Madeleines. Ein leichtes, erfrischendes Sommer-Dessert.


Zum Abschluss gibt es noch Petit Fours und Espresso, bzw. für mich ein Glas Portwein.
Nach den 4 Wochen in der Küche und kaum Essen, das ich nicht selbst zubereitet habe, war es an diesem Abend schön, sich auch mal wieder in mehreren Gängen bekochen zu lassen. Das Menü hat von vorne bis hinten Spaß gemacht und war mit 85 Pfund auch preislich fair.

Am nächsten Morgen schlafen wir etwas länger und trinken dann nur einen Kaffee bzw. Matcha in einem Café um die Ecke. Dann geht es mit einem Shuttlebus eine Stunde lang durch die kleinen Sträßchen Cornwalls zum Rock Oyster Festival – ein Mix aus Food- und Musikfestival. Also der perfekte Mix für mich.
Wir verbringen die erste Stunde erstmal damit, uns auf dem Festival zu orientieren. Neben einer zentralen großen Bühne gibt es noch weitere kleine Zelte mit Musik. Und natürlich jede Menge Food Trucks.



Zusätzlich zu den Food Trucks gibt es in einem weiteren Festivalbereich ein kulinarisches Programm, bei dem an zwei Orten bekannte Köche Vorträge halten und Fragen beantworten. Nebenbei kochen sie etwas, das man nach Ende des jeweiligen Vortrags probieren kann.



So kann ich eine Gabel Risotto von Chef Marco Pierre White ergattern – eine britische Kochlegende, bei dem unter anderem Gordon Ramsay und Heston Blumenthal gelernt haben. Bei der „Fire Kitchen“ können wir einen Surf’n’Turf Burger mit Seaweed Butter probieren.


Im Zelt „The Kitchen“ hole ich mir dann noch zwei Tacos mit frittierten Austern.
Zum Ende des Tages treten auf der großen Bühne noch zunächst Sam Ryder und danach Kool & the Gang auf. Bei bestem Wetter tanzen wir vor der Bühne und lassen den Tag ausklingen, bevor es dann mit dem Shuttlebus zurück ins Hotel geht.

Am nächsten Morgen ist es bereits Zeit, Abschied von England zu nehmen. Wir genießen noch ein paar letzte Momente am Strand, bevor wir uns auf den Weg in Richtung Bristol und Flughafen machen.

Obwohl es ein Montagmittag ist, ist sehr viel Verkehr, und so wird aus unserem geplanten einstündigen Stopp in Bristol nur ein kurzer Stopp in einem Café. Danach heißt es Mietwagen abgeben, Koffer einchecken und nach dem Umsteigen in Amsterdam landen wir am Abend, 4 Wochen nach Beginn meiner Reise, wieder in Frankfurt.
Ich habe noch ein paar freie Tage, bevor mein Sabbatical endgültig zu Ende geht. Anstatt zu entspannen, kann ich es jedoch nicht lassen: Ich habe während meiner Zeit in England das Restaurant Butter und Blume kontaktiert und gefragt, ob ich bei ihnen in der Küche hospitieren darf.
Und so stehe ich am Mittwoch und Donnerstag von 15 bis 22 Uhr dort in der Küche, mache mich nützlich, unterhalte mich mit den Köchen und sammle viele Eindrücke über den Ablauf in einer professionellen Küche.
Die Zeit in der Küche vergeht wie im Flug. Auch wenn ich natürlich nur einfache Dinge tun kann, fühle ich mich einfach wohl in der Küche.

An dieser Stelle ein großer Dank an das Team, dass ich in die Küche durfte, dass ich so gut aufgenommen wurde und dass sich Zeit genommen wurde, mir Dinge zu erklären und zu zeigen. Es war wirklich eine tolle Erfahrung für mich!
So neigt sich mein Sabbatical nach 5 Wochen voller neuer Eindrücke und Erfahrungen dem Ende zu. Die Zeit hat mir deutlich gezeigt: ich muss in meinem Leben (noch) mehr Platz für Kulinarik schaffen. Und so bin ich auch bereits dabei, mein nächstes kulinarisches Abenteuer zu planen. Stay tuned!


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